Puppet war aufgeregt, wie immer wenn sie sich mit Stiletto traf.
Sie zog sich schnell eine Jeans und einen Pullover an und streifte dann einen
dunkelgrauen Regenponcho über. Die langen dunklen Haare band sie sich zu einem Pferdeschwanz
zusammen.
Kurz überlegte Puppet ob sie nicht eines der Küchenmesser
mit nehmen sollte. Immerhin war sie im Begriff sich von einem Straßenmädchen,
einer verlorenen Seele unter vielen und einem gejagten Opfer, zu einer
wirklichen Kriminellen zu entwickeln, zu einer Söldnerin, zu einem
Schattenläufer.
Jeder kannte Shadowrunner aus dem Trideo. Knallharte
Actionjunkies die weder Tod noch Teufel fürchteten und mit ratternden
Maschinenpistolen die halsbrecherischsten Stunts überlebten. Was sollte Stiletto
von ihr halten wenn sie unbewaffnet zum Treffen auftauchte? Andererseits, ein
Küchenmesser sah aus als hätte sie nichts Besseres. Garnichts mit zu haben ließ
sie wenigstens cool wirken, so als hätte sie es nicht nötig.
Schnell schlüpfte sie ins Treppenhaus und fragte sich warum
sie sich jetzt schon umguckte. Im Treppenhaus roch es nach altem Hausmüll und
im Fahrstuhl roch es nach Pisse.
Puppet zog die Kapuze tief ins Gesicht als sie die Straße
betrat. Es war nicht besonders klug in einer Gegend wie dieser allzu offen zu
Zeigen dass man einen Frau im besten Alter war.
Die Straße war recht leer. Der Regen trieb die Leute in die
Bars, unter die Metrobrücken oder ließ sie sich unter den Schirmen und Markisen
der verschiedenen Fressstände zusammendrängen. Sie mochte den Regen. Während
des Regens und kurz danach roch die Luft immer so sauber. Wenn man die Augen
schloss konnte man sich vorstellen man sei irgendwo anders, irgendwo wo es
schön war, so wie auf den Holos der Reiseunternehmen.
Bis zum Loveland Quinns war es nicht weit. Es lag genau im
Turf der Chulos. Die Chulos waren ihre Gang. Sie hatte eher zufällig Anschluss
gefunden. Von ihrer Zeit aus New York wusste sie wie man sich zu verhalten
hatte und wenn man einer Gang gegenüber Respekt zeigte und nicht zu habgierig
auftrat konnte man gut mit ihnen leben. Die meisten Gangs waren wie normale
Unternehmen. Man konnte bei ihnen Sachen oder Dienste kaufen die man eben nicht
im Stuffer Shack kaufen konnte und genauso wie die Kons passten die Gangs auf ihr
Gebiet und ihrer Leute auf und versuchten Vorteile gegenüber den anderen Gangs
zu bekommen. Sie waren sozusagen kleine Firmen die die Leute eines Viertels
selbst gegründet hatten um Schutz, Sicherheit und Ordnung zu bekommen ohne den
Stress mit den Ämtern zu haben. Private Sicherheitsfirmen machten den Job auch
nicht besser und vor allem kannten sie die Leute nicht, auf die sie aufpassten.
Die Gangs kannten ihre Viertel und jeden Bewohner darin.
Stiletto war quasie eine Unternehmerin. Anfangs sagte man
war sie nur die Schnalle von Rubio, dem Gangboss. Rubio war der härteste Macker
im ganzen Turf. Es hieß, dass er schon mehr als ein Duzend Razor Heads auf den
Friedhof gebracht hätte. Stiletto hatte sich allerdings als kluge Planerin und
fürsorgliche Anführerin erwiesen die stets ein offenes Ohr für die Sorgen und
Nöte ihre Leute hatte, über jedes Gerücht im Turf Bescheid wusste. Daher wurde
sie bald für Rubio zu einer Art Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit. Die
Leute im Viertel wollten nichts von den Drogengeschäften, den BTL-Chips und den
illegalen Bordellen und Spielcasinos wissen. Es genügte wenn die Chulos dafür
sorgten dass an den Schulen nicht geschossen wurde und dass sich nicht andere,
noch schlimmere Kriminelle, die Straßen zwischen Fruitland Avenue, Pioneer
Avenue und der Interstate unter den Nagel rissen. Stiletto hörte sich an was
die Leute auf dem Herzen hatten und deichselte es dann irgendwie so, dass Rubio
sich darum kümmerte.
Puppet bog
in die 6th Avenue ein als der Regen aufhörte. (Ortskunde
Puyallup MW 5, fordernd, da geschichtliche Frage zu Puyallup. 3 und 5 = 1
Erfolg.) Die einstmals sehr flache Bebauung von Puyallup war nach
den Sezessionskriegen aufgrund des sprunghaften Anstieges der Baulandpreise mehr
und mehr zu einer Bebauung mit drei bis fünf Geschossen geworden. Schon von der
Kreuzung aus konnte Puppet den Eingang des Loveland Quinn’s erkennen. Gerade
verließ ein Mann den Club und ging zu einem der Autos. Auf dem weitläufigen
Parkplatz standen zahlreiche Militärfahrzeuge aber auch zivile Autos. Er
bewegte sich auf einen Ford Americar zu. Ein zweiter, kleinerer Mann, eindeutig
ein Zwerg trat kurz nach ihm aus dem Eingang und folgte dem größeren Mann
schnellen Schrittes.
Sie überquerte die 6th Avenue und näherte sich dem Eingang. Die
beiden Männer auf dem Parkplatz schienen ein Gespräch zu beginnen. Maria konnte
nicht genau verstehen um was es ging und es ging sie auch nichts an. Die
Körpersprache der beiden zeigte aber an, dass die beiden irgendwas
auszudiskutieren hatten. Hatte der eine etwa die Nutte des anderen besetzt?
Egal, es ging sie nichts an.
(Die beiden Männer zu sehen ist nicht besonders schwer. Sie allerdings
soweit zu registrieren und aus den anderen Wahrnehungen heraus zu filtern ist
schon eine recht schwierig, Mindestwurf 6-7. Puppet wirft eine 2,3,3,5 und 6.
Sie hat einen Erfolg und bemerkt lediglich dass die Beiden nach draußen gehen
und miteinander reden.)
Das Loveland war ein Club indem die meisten Frauen auf der
Gästeliste stehen mussten, besonders wenn sie so gut aussahen als würden sie
dort arbeiten können. Scott, der Besitzer, hatte natürlich kein Interesse
daran, dass ein Überangebot, den Hausnutten das Geschäft ruinierte, denn das
würde auch seine Geschäfte mit den Chulos gefährden.
Die Elfe näherte sich dem Türsteher, einem rotblonden, knapp zwei Meter großen Ork mit mehreren unattrakiven Narben im Gesicht. Die braunen Stickereien auf den Schultern seiner Kunstlederjacke wiesen ihn als Mitglied der Chulos aus. Puppet beschleunigte ihre Schritte auf den letzten Metern etwas und blieb fast aufreizend dicht vor dem Mann stehen. „Hoi, Chummer, wie geht’s?“.
Obwohl Puppet ebenfalls ein Mitglied der Chulos war kannte
sie den Typen nicht und es war unwahrscheinlich dass er sie kannte, auch ihre
Jacke in den Farben der Gang hatte sie zu Hause gelassen, sie musste also
irgendwie so durchkommen. Der leichte Luftzug aus ihren Bewegungen und die Nähe
zu ihm würden wahrscheinlich schon genügen. Der Mann sah sie an und seine Augen
wanderten einmal von oben nach unten und zurück nach oben über ihren Körper.
„Hoi. Alles klar. Stehst Du auf der Gästeliste?“ antwortet er.
„Nein, leider nicht. Meinst Du, ich kann drinnen mal kurz
nach meiner Freundin gucken?“, sie schenkte ihm ein Lächeln der Marke
schutzbedürftiges Reh.
„Naja, wennu nich aufer Liste stehst…“, versuchte der Ork
hart zu bleiben, dessen Blick am Hals der Elfe hängengeblieben war, dort wo er
sich unter dem Regenmantel verlor.
„Ist doch nur für ne Minute, sie ist wahrscheinlich eh nicht
da.“, mit einem verschwörerischen Augenaufschlag sah sie ihn an.
(Der Ork ist Wirft
auf der Rassismustabelle 2W und erhält einen 6+3-6=3 Rassismuspunkte. Auf der
Auswahltabelle wirft er eine 3. Das heißt er ist rassistisch gegen Elfen. Seine
Intelligenz ist 4. Der Türsteher steht Puppet im Grunde wie jedem anderen Gast
gegenüber. Das Ergebnis dieser Situation, Puppet umsonst in den Club zu lassen,
wäre für den Türsteher wahrscheinlich belanglos. Daher ergibt sich ein
Mindestwurf von 4+3 = 7 weil der Ork ein Rassist gegenüber Elfen ist. Puppet
würfelt mit ihrer Fertigkeit Verhandeln 2. Da sie aber maßgeschneiderte
Pheromone der Stufe zwei hat, erhält sie zwei zusätzliche Würfel. Sie erzielt
eine 1,2,2 und 6, die Sechs wird hochgewürfelt und ergibt eine 4, damit lautete
Puppet Würfelergebnis 1,2,2,10. Ein Erfolg genügt um den Ork dazu zu bringen
Puppet in den Club zu lassen. Allerdings wird er genau kontrollieren wann sie
wieder heraus kommt. Um das zu verhindern hätte Puppet mehr Erfolge benötigt.)
Noch einmal musterte der Türsteher die Elfe und brummte dann
„Du hast fünf Minuten.“, während er sie mit dem Daumen hinter sich winkte.
Die
dunkelhaarige Elfe zupfte ihren Poncho zu Recht und ging
ins Innere des Lovelands. Wie bei den meisten Nachtclubs wurde auf einen
Garderobebereich verzichtet. Wer hier her kam wollte unerkannt bleiben.
Vom Eingang aus blickte man direkt auf die kleine Bühne, dort räkelten
sich bereits eine Orkin und eine Zwergin und eine brünette
Normfrau. Eine größere Gruppe Soldaten hatte es sich bereits an den
Tresen links und rechts der Bühne oder auf
den zahlreichen roten Venylsofas mit einem Drink bequem gemacht, aber
die
Stimmung war noch verhalten. Die Mädels auf der Bühne waren sicher erst
das
Vorprogram. An beiden Seiten des Raumes führte eien Treppe nach oben auf
eine Galerie. Auf der Galerie waren weitere Tische in Nieschen bereit
gestellt.
Puppet suchte sich einen Weg zur Bar. Hinter dem Tresen
stand eine rothaarige Norm in einem pinkfarbenen Bikini. Als Puppet ihre
Aufmerksamkeit hatte, fragte sie, so als wäre es der Weg zur nächsten
Metrostation: „Is Stiletto hier?“
(Hier fällt eine Probe für Gebräuche an. Tonfall, Körpersprache und Mimik sorgen laut Spielleiter dafür dass das Mädchen hinter der Bar Puppet nicht für einen Cop hält. Diesesmal fallen keine Rassismus Modifikatoren an. Da Stiletto der Barkeeperin gesagt hat, dass sie auf jemanden wartet und die Barfrau Stiletto auch nicht in die Geschäfte reden soll ist das Ergebnis eines Treffens entweder unbedeutend für sie oder sogar gut wenn es zu Stande kommt. Wieder geht es gegen die Intelligenz der Bardame, die beträgt 4. Puppet würfelt mit „Gebräuche Gangs Seattle“ mit vier Würfeln: 2,3,3,6. Damit hat sie einen Erfolg und die Bardame gibt ihr die gewünschte Information.)
„Separee Drei. Was Trinken?“ fragte die Rothaarige.
Die angehende Schattenläuferin bestellte ein Soybier und
drückte ihren Credstick auf den Transponder.
Das Separee war auf der Balustrade angelegt und stand offen,
eine im Halbrund angelegte Sofabank. Auf dem Gang vor dem Separee lungerten
zwei von den Chulos herum. Vielleicht waren es Leibwächter für Stiletto die braunen
Lederjacke machten das wahrscheinlich. Pupett konnte gerade noch drei Frauen
und zwei Männer auf dem Sofa erkennen bevor der eine Ganger ihr den Weg
versperrte.
„Wir haben genug Nutten hier.“, grinste der Latino sie an.
Die Elfe ließ die Hände an den Seiten herunter hängen und
sagte ruhig: „Ich bin auch nicht wegen der Schwänze hier. Ich hab ne
Verabredung mit Stiletto.“
(Dieser Ganger ist etwas heller als der übliche Straßenabschaum, darum
legt der Spielleiter einen Mindestwurf von 5 fest. Der Leibwächter hat keine
rassistischen Vorurteile. Puppet würfelt mit ihrem Gebräuche (Gangs Seattle)
und hat vier Würfel zur Verfügung. Auch hier kommen ihre Pheromone zum Tragen,
also sechs Würfel: 1,1,3,3,3 und 5. Die Pheromone bescheren ihr den einen
notwendigen Erfolg.)
Der Ganger trat zur Seite und schaut einen dunkelhaarige
Frau an, die am Tisch auf dem Sofa saß und ein Cocktailglas langsam zwischen
den Fingern hin und her drehte. Puppet ging auf den Tisch zu und wurde
plötzlich unsicher. Was sollte sie sagen? Sollte sie cool tun? Immerhin wollte
sie Shadowrunnerin werden, sich also aus der Masse der BTL-Junkies und anderen
Freaks erheben also musste sie Stiletto einen guten Eindruck von sich
vermitteln.
Stiletto,
die wie immer einen VR-Brille trug drehte den Kopf
in ihre Richtung. Dadurch konnte man die seite ihres Schädels sehen die
sie ausrasiert hatte. Stiletto trug nichts braunes. Die Zugehörigkeit
zur Gang drückte sie durch ihre Haarfarbe aus die in einem satten
Kastanienbraun gefärbt waren. Sie trug ein schulterfeies
Neckholderoberteil so dass man ihre Neotribalstatoos sehen konnte. Unter
der Panasonic-VR-Bille zeichnete sich ein Lächeln ab, welches
durch die verspiegelten Gläser kalt und seelenlos wirkte. Einer der
Männer war
Rubio. Puppet kannte ihn. Er saß in der Mitte des halbrunden Sofas und
hörte
dem anderen Mann zu.
(Dieser Mann macht den Einkauf für einen Club an der Pioneer-Avenue, etwas
außerhalb des Gebietes der Chulos. Puppet wirft auf ihre Wissenfertigkeit
Nachtclubs Seattle drei Würfel um zu sehen ob sie den Mann kennt. Der
Spielleiter legt fest dass es sich um Tiefgehendes Wissen handelt, da der
Einkäufer eines Clubs ja eher selten in der Öffentlichkeit steht. Der
Mindestwurf beträgt 8. Puppet wirft 2,3 und 5. Sie hat also keinen Schimmer wer
der Mann ist mit dem Rubio da redet. Mit einer Gebräuche-Probe gegen 3, sie
wirft eine 3 und 3, schätzt sie die Unterhaltung, anhand der Körpersprache der
beiden Gesprächspartner aber zutreffend als geschäftliche Verhandlung ein. Da
sie zwei Erfolge hat, durchschaut sie sogar, dass die beiden wahrscheinlich
Frauen als kleine Ablenkung von Rubio neben seinen Geschäftspartner platziert
wurden.)
Sie forderte
Puppet auf sich an den Rand des halbkriesförmigen Sofas zu setzen. Für die
beiden Männer war sie nur eine weitere Nutte die sich Stiletto hatte an den
Tisch kommen lassen und so nahmen die beiden keine Notiz von ihr. Den zwei
anderen Frauen war es egal, solange sie bezahlt wurden.
„Du suchst also
Arbeit?“, begannt die Gangschieberin das Gespräch. Puppet nickte. Sie war zu
aufgeregt zum sprechen, ihr erster Schattenlauf kündigte sich an.
„Also gut. Du
bist kein harter Kerl sonder eher eine die es mit Unauffälligkeiten probieren
muss. Hab ich Recht oder bin ich falsch informiert?“
Puppet nickte
erneut: „Bisher haben sich immer andere für mich geprügelt.“
Sitletto
lächelte flüchtig nahm einen Zug von ihrer Zigarette und nickte dann: „Bueno.
Ich habe was für ein Mädchen wie Dich.“
„Alles was Du
willst, solange ich dabei keine Schwänze bearbeiten muss.“
„Du bist darin
einfach am besten.“, argumentierte Stiletto, lenkte aber gleich ein als Puppet
zu einer energischen Erwiderung ansetzte. „Ok, ok, aber Fakt bleibt Fakt,
Querida, wenn ich jemanden kennen würde der Dich groß raus bringt wärest du
schon lange ein SimStim-Star.“, sie lachte.
Puppet wurde
ernst, sie wollte nicht über Phantasien schwärmen aus denen sowieso nichts
werden würde: „Was soll ich erledigen?“
Die Dealerin
wischte einige Fenster aus dem Sichtfeld ihrer VR-Panasonic und hinter dem
undurchsichtigen Kunststoff richteten sich ihre Augen auf Puppet.
„Es ist
eigentlich recht einfach.“ begann sie, und die junge Elfe war noch nicht
erfahren genug um zu wissen, dass diese Aufträge meist die gefährlichsten
waren. „Kennst Du Tequilla Toni, den Typen der oben in Everett am Hafen wohnt?“
Maria wie Puppet eigentlich hieß verneinte.
„Okay ich
schick dir die Adresse.“ Eine wischen durch die virtuellen Fenster und eine
Klicken später vibrierte Puppets Komlink und sie wusste dass sie die Adresse
hatte: „Was soll ich da machen.“
„Du klingelst
einfach nur. Er wir dich rein bitten und Dir eine Adresse und noch etwas geben.
Das was Du bekommst bringst Du zu der Adresse die er dir gibt. Verstanden?“
„Was denn? Was
wird er mir geben?“, Puppet merkte wie die Spannung sie beinahe überwältigte.
Ihr erster Shadowrun. Sicher war es eine geheime Botschaft mit brandheißen
Daten über irgendein übles Konzernverbrechen.
„Es wird eine
Kaffekanne sein, irgendsone Art Behälter eben. Aber es ist klein genug dass Du
es in deine Handtasche stecken kannst.“, sagte Stiletto und die Panasonic
richtete sich direkt auf die Schattenläuferin während Stiletto am Strohhalm ihres
Cocktails saugte.
„Und was ist
drin in der Kaffekanne?“
Man konnte
sehen wie Stiletto hinter der VR-Brille mit den Augen rollte. Auch wenn man die
Bewegungen ihrer Augen nicht sehen konnte, so war es doch eindeutig. „Dios!
Stell Dir einfach vor es ist Kaffee drin und du bist die scheiß Früstücksfee!“,
Stiletto klang plötzlich gereizter als Puppet es erwartet hätte.
Puppet ärgerte
sich dass Stiletto, welche sie für eine Freundin hielt sie so abkanzelte und
fragte nun ebenfalls gereizt: „Si, claro, und wenn der Kaffee plötzlich explodiert,
dann ist das wohl pech, hm?“.
Stiletto
seufzte: „Es ist nix was explodiert und nix was irgendwie gefährlich ist
solange Du nicht damit in Berührung kommst. Genau weiß ich es auch nicht. Aber
es explodiert auf jeden Fall nicht. Details musst Du dir von Tequilla Toni
holen, claro?“
Puppet nickte. „Claro.
An welcher Stelle lohnt sich das alles für mich?“ fragte sie. Sie war im
Begriff sich nun auf gefährlichere und deutlich illegalere Sachen einzulassen
als sie es in ihrem Leben zuvorg getan hatte und wenn sie schon anfing wirklich
illegale Sachen zu machen dann sollte es sich wenigstens lohnen.
Die meisten
Prostituierten arbeiteten zwar in den UCAS auch mehr oder weniger illegal, aber
die Cops steckten eine Hure meistens nur für vierundzwanzig Stunden in den Bau,
dann kamen die ganzen Gesundheitschecks und wenn man nicht gerade irgend eine
fiese Seuche, gab‘s nen Eintrag auf der SIN, der sich meist in der Gesellschaft
zahlreicher anderer Einträge ganz wohl fühlte, und man musste was bezahlen. Nach
vierundzwanzig Stunden kam meistens irgendein Zuhälter oder einer seiner
Freunde vorbei, hinterlegte das Bußgeld und nahm das entsprechende Mädchen mit
bevor ihre Stammkunden sich anderweitig orientierten.
Schwierig wurde die
Prozedur eigentlich nur wenn man entweder keine SIN hatte und sich somit
Illegal in den UCAS aufhielt oder aber wenn man es mit korrupten Cops zu tun
bekam, denn die schreckten nicht davor zurück einem irgendwas anzuhängen wenn
sie nicht ne Freinummer bekamen. So oder so, Puppet wusste dass sie niemals
soviel Geld zusammenvögeln konnte um sich irgendwo zur Ruhe zu setzen. Nicht
wenn man bedachte, dass man als Hure entweder einen frühen und meist unbeachteten
Tod fand wenn man frei arbeitete, oder aber man vertraute sich einem Zuhälter
an was die Zeit bis zum Renteneintrittsalter um ein vielfaches erhöhte. Je
illegaler das war was man machte, um so größer der Gewinn. So hatte Maxwell es
ihr einmal erklärt. Maxwell war ihr erster Zuhälter gewesen, als sie noch in
New York gelebt hatte. Er war es letztlich dem sie ihren aktuellen gesellschaftlichen
Stand zu verdanken hatte. Ob das gut oder schlecht war, wollte sie nicht
entscheiden. Klar hatte sie sich als kleines Mädchen nicht vorgestellt einmal
Hure zu werden, andererseits war ihr als Kind auch noch nicht bewusst gewesen,
dass einen die Leute auch nicht gerade dafür abfeierten wenn man sich als Elfe
aus dem Tir nach Seattle traute. Es galt das Gesetz das überall galt.
Wenn man
Geld hatte, dann hatte man ein schönes Leben. Wenn man kein Geld hatte musste
man eben sehen wie man zurechtkam. Marias größtes Kapital war nun einmal
zweifelsohne ihr Aussehen und in einer Welt in der jeder vermarktete was er
eben hatte, vermarktete sie eben das.
Ein Shadowrun
hingegen musste sich lohnen. Mehr Risiko, mehr Gewinn, so hatte Maxwell es
immer gesagt und nun ging sie ein Risiko ein und da sollte auch der Gewinn
entsprechend sein.
„Querida,“
begann Stiletto, “es ist nicht so, dass Du Mitsuhama ans Messer liefern sollst
oder so. Du sollst einfach nur die Kaffekanne die Du bekommst zu der Adresse
bringe und sie dort abliefern. Eigentlich nicht schwer. Ich denke das ist nen
Job von vielleicht zwei Stunden.“ Sie legte einen beglaubigten Credstick auf
den Tisch. „Das sind fünfhundert Nuyen. Das sollte ausreichen.“
Puppet dachte
sie hätte sich verhört. In New York hatte sie für eine Stunde Arbeit einen
Tausender bekommen, als sie Kunden aus dem gehobenen Management gebumst hatte. „Fünfundert?
Estas un chiste?“
„Es ist nen
Botenjob, jeder bescheuerte Postbote macht das, jeden Tag.“ argumentierte Stiletto.
„Na dann
solltet ihr es vielleicht mit der Post schicken. Ich verdiene das Vierfache
wenn ich in der Zeit einen Kunden bumse.“
(Puppet feilscht gerade. Stiletto
hat mit einem Wurf von zwei auf der Rassismustabelle keine Vorbehalte gegen
Elfen und außerdem gibt ihre Willenskraft ein Grundmindestwurf vor 5 vor.
Stiletto ist Puppet gegenüber eher freunschaftlich gesonnen was einen Mindestwufmodifikator
von -1 ergibt. Das Ergebnis mehr zahlen zu müssen ist nachteilig für Stiellto
also + 2. Der Mindestwurf beträgt also insgesamt 6. Puppet würfelt mit Gebräuche
(Feilschen) und kann außerdem einmal mehr ihre künstlichen Pheromone einsetzen,
sie ist nah an Stiletto dran. Ihre maßgeschneiderten Pheromone vermitteln Stilettos
Unterbewusstsein also permantent dieses Gefühl das Puppet gerade hat, nämlich
ungerecht behandelt zu werden. Zwei zusätzliche Würfel also für Puppet 1,1,2,4,5
und 6. Somit hat sie es mit einem Erfolg geschafft. Allerdigs ist ein Erfolg
auch kein überwältigendes Ergebnis)
„Okay, bueno. Tausend
Nuyen und Du kannst deinen Rücken schonen.“
Puppet nickte: „Bueno.
Aber ich arbeite gegen Vorkasse.“
„So ka. Aber
pass auf dass Du nicht auf dem Weg falsch abbiegst, verstanden?“
Puppet lächelt
und nickte: „Nein, das wollen wir doch nicht.“ Innerlich war sie so aufgeregt
dass sie kaum ein Zittern ihrer Hände unterdrücken konnte.
Stiletto
wischte auf den virtuellen Displays herum ihre Finger huschten über ein
Schaltfeld dass nur sie sehen konnte und eintausend neue Yen wurden von ihrem
Konto abgebucht und auf das Konto von Maria Arantxa Sanchez überschrieben.
Puppets Name den sie bisher getragen hatte. Sie überlegte dass es sicher gut
wäre sich irgendwann ein unauffälligeres Nummernkonto zuzulegen oder sich mit
beglaubigten Credsticks bezahlen zu lassen. Ihr Komlink vibrierte kurz und ihr
wurde der Eingang des Geldes bestätigt. Eine Monatsmiete in einer Stunde
verdient.
Puppet nickte,
lächelte Stiletto an. Sie wollte noch irgendwas sagen. Sie war Stiletto
dankbar, dass sie ihr diese Chance gab Geld zu verdienen zu können ohne sich
ausziehen zu müssen. Aber hier war der falsche Ort solche Gefühlsasbrüche
zuzulassen. Hier im Loveland war man cool. Sie blickte einen kurzen Moment nach
unten und sah dass Stiletto einen Anhänger um den Hals trug. Eine silberne kleine
Mondsichel. Puppet liebte die Nacht. Sie hatte immer den Eindruck gehabt dass
in der Nacht die Dunkelheit nur die unwichtigen Dinge verdeckte so dass das
Wesentliche klarer erkennbar war. Wann immer sie in ihrem Leben gute Einfälle
gehabt hatte, waren die ihr bisher immer nachts gekommen. Sie blickte Stiletto an.
„Gracias.“, sagte sie dann leise und stand auf. Gerade als
zwei Frauen auf der Galerie an ihrer Sitzgruppe vorbei gingen. Eine große durchtrainierte
Soldatin mit kurzrasierten Haaren und einem Kreuz dass den meisten Männern den
Neid ins Gesicht getrieben hätte. Die andere war eine hübsche junge Schwarze in
einem langen Panzermantel. Eigentlich viel zu jung um in einem Laden wie diesem
zu arbeiten. Die Soldatin in ihrer
grauen Camouflageuniform hatte den Arm locker um das Mädchen gelegt und
steuerte mit ihrem Aufriss auf eines der Separées zu. Puppet hatte auch schon mit
Lesben zu tun gehabt.
Viele Leute dachten dass eine Nutte in ihrer Freizeit
nichts mehr von Männern wissen wollen müsste. Aber so war es nicht. Puppet
stand immer noch auf Männer aber Frauen hatten den großen Vorteil dass sie
überhaupt verstehen konnten wovon Puppet manchmal redete ohne dass ihnen sofort
irgendein Beschützerinstinkt irgendwelche bescheuerten Ideen einimpfte. Trotzdem
hatte Puppet es nie besonders anregend gefunden mit einer Frau zu schlafen.
Aber wahrscheinlich waren die Frauen die sich andere Frauen für Sex kauften
auch nicht egarde die besten Vertreterinnen ihrer Art.
Sie ging die
Galerie bis zur Treppe entlang zog die Kapuze ihres Regenponchos wieder über
den Kopf und stieg dann auf die untere Ebene des Clubs hinunter. Vorbei an
einem anderen UCAS-Marine der gerade zur Erheiterung seiner Kammeraden einen
Vorgesetzen imitierte.
Geschickt wich sie einer Hand aus die sich dreist einen
Weg zu ihrem Po suche und durch das Gedränge der vielen Soldaten in dem Club
sah sie eine Gestalt die sie schon gesehen hatte. (Wahrnehumgswurf auf Intelligenz,
Mindestwurf 8. Der Wurf ist 6,6,6,5 und 3. Die Sechser werden hochgewürfelt.
6,4 und 1. Es ergibt sich also 12,10,7,5,3. Zwei Erfolge.)
Es handelte
sich um einen Zwerg der an einem der Tische saß und immer wieder auf die
Gallerie schaute, dort hin wo Rubio und Stiletto saßen. Es war einer der Männer
die sie vorhin auf dem Parkplatz an dem Ford Americar gesehen hatte. Er hatte
ein Schwert auf dem Rücken getragen und der Griff des Schwertes lugte jetzt
unübersehbar über seine rechte Schulter. Warum war der Typ wieder in den Laden
gekommen nachdem er schon draußen war? Den
anderen konnte sie nicht sehen. Er schien nicht bei dem Zwerg zu sein denn der
hatte sich eine Zwergin an seinen Tisch geholt und sie schien ihm irgendwas Aufregendes
zu erzählen.
Puppet
entschied sich, dass das alles sicher keine Bedeutung hatte. Wie oft passierte
es, dass man denselben Leuten die man gerade getroffen hatte noch einmal
begegnete? Puppet verließ das Lovelands schließlich
warteten da draußen Schatten auf sie. Schatten in denen sie laufen sollte.
Quellenangaben:
Außenansicht
des Loveland Quinn: http://fc03.deviantart.net/fs70/f/2013/170/0/1/jerry_s_by_phade01-d69tqud.jpg
Innenimpression
des Loveland Quinn: http://pre09.deviantart.net/5d71/th/pre/i/2014/039/7/1/cyberpunk__night_club_by_dsorokin755-d75lf02.jpg
Stiletto: http://pre03.deviantart.net/294b/th/pre/f/2013/019/8/5/cyberpunk_by_pixeluna-d5s16su.jpg



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